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18. Juli 2015 | 8:00

Allrad auf Knopfdruck

Es gibt Baufahrzeuge, die in ihrem Arbeitsleben die Straße kaum verlassen. Andere müssen tagein, tagaus ins schwere Gelände. Für beide Spezialisten ist die Frage des Antriebs schnell entschieden. Zwischen Onroad und Offroad aber gibt es eine dritte, besonders gängige Variante: Baufahrzeuge, die gelegentlich ins Gelände fahren, oder die bei ihren Einsätzen zwischendurch immer wieder eine Strecke mit anspruchsvollem Terrain oder steile Rampen bewältigen müssen und deshalb eine Anfahrhilfe benötigen. Aus diesem Grund erweitert Mercedes-Benz sein Angebot nun um den Arocs mit Hydraulic Auxiliary Drive (HAD).

Der Zusatzantrieb Hydraulic Auxiliary Drive (HAD) wird für den Arocs in vielen Varianten angeboten. Für die Achskonfigurationen 4x2, 6x2 und 6x4 stehen zwei Motoren in je vier dicht gestaffelten Leistungsstufen zur Verfügung. HAD ist leistungsstark, leichter als ein Allradantrieb, einfach zu bedienen sowie wartungsfrei und langlebig. Das Resultat: Mehr Nutzlast und weniger Verbrauch – auch beim Actros und Antos. © WWW.MORLOCK-FOTOGRAFIE.DE

Der Zusatzantrieb Hydraulic Auxiliary Drive (HAD) wird für den Arocs in vielen Varianten angeboten. Für die Achskonfigurationen 4×2, 6×2 und 6×4 stehen zwei Motoren in je vier dicht gestaffelten Leistungsstufen zur Verfügung. HAD ist leistungsstark, leichter als ein Allradantrieb, einfach zu bedienen sowie wartungsfrei und langlebig. Das Resultat: Mehr Nutzlast und weniger Verbrauch – auch beim Actros und Antos. © WWW.MORLOCK-FOTOGRAFIE.DE

Das HAD-Einsatzspektrum ist breit gefächert: Bei klassischen Baufahrzeugen mit Schüttgütern steht die Nutzlast im Vordergrund, aber beim Be- und Entladen ist hohe Traktion gefordert. Abroll- und Absetzkipper benötigen beim Entladen auf unbefestigtem oder rutschigem Untergrund eine Traktionshilfe. Holz- und landwirtschaftliche Transporte müssen anspruchsvolle Strecken im Wald oder auf dem Feld bewältigen. Ohne herausragende Traktion können die Lkw ihre Aufgaben nicht erfüllen – besonders, wenn der Lkw in der kalten Jahreszeit nebenbei auch im Winterdienst eingesetzt wird. Hinzu kommen schneereiche Regionen oder Gegenden mit schlechten Straßenverhältnissen. Für alle diese Einsätze ist der Arocs HAD ein maßgeschneidertes Fahrzeug.

Variantenvielzahl
Angeboten wird HAD im Arocs in einer Vielzahl von Varianten. Für die Achskonfigurationen 4×2, 6×2 und 6×4 stehen zwei Motoren in jeweils vier dicht gestaffelten Leistungsstufen zur Verfügung: Mercedes-Benz OM 470 mit 10,7 l Hubraum von 240 kW (326 PS) bis 315 kW (428 PS) sowie der OM 471 mit 12,8 l Hubraum und Leistungen von 310 kW (421 PS) bis 375 kW (510 PS). Die Kraftübertragung übernehmen vollautomatisierte Getriebe des Typs Mercedes Power­Shift 3 mit 12 und 16 Gängen. In all diesen Ausführungen ist der Hydraulic Auxiliary Drive ebenfalls für Actros und Antos lieferbar.

© WWW.MORLOCK-FOTOGRAFIE.DE

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Herzstück Hochdruckpumpe
Das HAD-Herzstück bildet eine zentral am Motor angeordnete Hochdruckpumpe. Sie erzeugt über dessen Rädertrieb einen Pumpendruck von bis zu 450 bar. Bei der Vorderachse des Arocs HAD handelt es sich um ein stahlgefedertes Aggregat mit Scheibenbremsen. Äußerlich ist der HAD an den im Vergleich zum konventionellen Antrieb geänderten Radköpfen zu erkennen. Die Radial-Mehrkolbenmotoren mit einem zentral angeordneten Triebwerk und je zehn kreisförmig ­angeordneten Zy­lindern setzen hydraulischen Druck in mechanische Arbeit um. Die Zylinderkolben mit Laufrollen an der Spitze werden wechselweise durch hydraulischen Druck nach außen gegen einen Nockenring gepresst. Durch die Gegenkraft entsteht ein Drehmoment, die Vorderräder werden angetrieben. Überhöhte Temperaturen verhindert ein Kühlmodul, das in das Seitenmodul in Fahrtrichtung rechts am Rahmen montiert ist. Dort ist auch der Ventilsteuerblock integriert, der alle zur Steuerung des Hydraulikantriebs notwendigen Ventile enthält.
»Das Gehirn« des Hydraulic Auxiliary Drive ist das Steuergerät mit der Transmission Control Unit (TCM). Letztere steuert Pumpe, Ventilsteuerblock und den Lüfter, also den kompletten Antrieb. Vorteil der von Mercedes-Benz entwickelten Steuerung: Abhängig von der Fahr­situation wird nur so viel Drehmoment an der Vorderachse ­aufgebaut, wie für die Traktion tatsächlich notwendig ist. Grundlage dieser Steuerung sind die Sensoren des Fahrzeugs, sie erkennen unter anderem Schlupf, Fahrzeuggewicht und Neigungswinkel des Lkw.
Der Zusatzantrieb ist bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h verfügbar. Bei höheren Geschwindigkeiten ist keine Anfahr- und Traktionsunterstützung notwendig, deshalb wird der eingeschaltete Hydraulic Auxiliary Drive dann passiv. Überschreitet der Lkw eine Geschwindigkeit von 60 km/h, wird HAD automatisch komplett deaktiviert, um die Aggregate zu schonen und Kraftstoffverbrauch sowie Emissionen zu minimieren.

Vorteile des Allradantriebs bei deutlich weniger Gewicht
Ein wichtiger Aspekt ist der Gewichtsvorteil des HAD, der im Vergleich zu ­einem zuschalt­baren Allradantrieb 425 kg, gegenüber einem permanenten Allradantrieb gar 575 kg beträgt. Der Käufer ­eines Arocs HAD kann sich zudem auf die Antriebstechnik ­verlassen: Beim gemischten Einsatz als Baufahrzeug auf Straße und Gelände ist der HAD auf die Lebensdauer des Fahrzeugs ausgelegt. Dies hat Mercedes-Benz bei intensiven Tests in unterschiedlichsten Praxisszenarien getestet.

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